Wenn du beginnst, dich wirklich neugierig und offen darauf einzulassen, was passiert, wenn der Atem den Körper in Bewegung bringt, wirst du mit der Zeit immer feinfühliger sowohl deinen innerlichen Räumen gegenüber als auch deinem äußeren „Gebilde“ – regelmäßiges Üben vertieft die Beziehung zu dir selbst: zu deinem Körper, deiner Gedanken und Gefühlswelt. Ein „Rausfallen“, d.h. konfrontiert werden mit den vielen Ablenkungen und Frustrationen des Lebens gehört dazu – es geht letzen Endes darum, in der „Mitte wieder rauszukommen“ – und damit zu-FRIEDEN zu sein.

Ich freue mich sehr, wenn ich Bücher in die Hand bekomme, die meine Erfahrungen bestätigen und die Art von Yoga, auf die ich meine Fundament stelle, in das „westliche“ Alltagsleben transferieren. Eine dieser großen Lehrmeister ist für mich Mark Whitwell und aus einem seiner letzten Bücher möchte ich einen Ausschnitt herausnehmen, nachdem er sehr schön zeigt, wie wir wirklich Beziehungen pflegen können.

Er schreibt von „Bindungen“. Ich möchte dieses Wort mit jenem von „Beziehung“ austauschen.

Er schreibt:

„Wir alle brauchen menschliche Beziehungen. Aber innige Nähe im Miteinander ist nicht möglich, solange wir nicht die innige Verbindung mit unserem eigenen Leben erfahren haben.

Der Ausgangspunkt für jede Nähe zu anderen ist die Nähe zu deinem eigenen Körper und Atem. Wenn du dich im Einklang mit dem Atem auf deinen Köper einstimmst, entwickelst du eine innere Sensibilität und Empfänglichkeit, die dich umgekehrt auch für fremde Sensibilität und Empfänglichkeit öffnet.

Die Übung der im Atemrhythmus ausgeführten Körperbewegungen verleiht dir die nötige innere Sensibilität, um enge Beziehungen einzugehen. Du fängst an, deine Verbundenheit mit allem, was dich umgibt, zu spüren, einschließlich der tiefen und absoluten Innerlichkeit des Lebens, die von allem die Grundlage ist.“ (Mark Whitwell, „Das 7-Minuten-Versprechen“)

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Eine kleine ÜBUNG:

Vielleicht magst du dir genau jetzt ein paar Minuten Zeit nehmen.  Du kannst dich auf einen Sessel setzen oder stehen; eine Hand auf deinen Bauch, eine auf deinen Brustraum legen und spüren, wie sich dein Atem jetzt anspürt. Wo befindet er sich? Wie bewegt er deinen Körper? Bring etwas Tiefe und Gleichmäßigkeit in deinen Aus- und Einatem – gerade so achtsam, dass du entspannt bleiben kannst.

Jetzt geht es darum: Atem und Bewegung zu verbinden: Heb mit einer Einatmung deine Arme in einem weiten Bogen über die Seite zur Decke, deine Schultern bleiben entspannt/sie sinken; dein Kopf darf weich mitgehen, d.h. das Kinn kann sich etwas heben – – – warte auf den Beginn der Ausatmung und lass deine Hände und Arme wieder neben deinen Körper zurückgleiten.

Nimm dir Zeit und vertrau völlig dem Rhythmus deines Atems – eine „einfache“ aber nicht leichte Übung, wenns darum geht, dabei zu bleiben…vielleicht kannst du anfänglich zwei Atemzügen folgen, bevor dein Geist „Das ist ja fad – was ist denn das für eine komische Übung, die bringt ja nichts….“, ruft; lass ihn reden und komm wieder zu deinem Atem zurück. Du kannst dir den Wecker stellen (Tipp: Meditationstimer – Insight Timer fürs Handy), damit du die Übungszeit eingegrenzt weißt.

Viel Freude beim regelmäßigen Üben – es geht darum, neue Straßen zu errichten. Das braucht Zeit und Übung – und es lohnt sich!