Über das Erde-n

In letzter Zeit habe ich mir immer wieder Gedanken darüber gemacht, was es für mich bedeutet, mich zu erden. Im Alltag ebenso, wie in meiner Asanapraxis.

Außerdem möchte ich das kommende Yoga-trimester dazu nutzen, die Asanapraxis entlang der sieben Chakren aufzubauen. Wir starten natürlich mit der Erdung, dem Verwurzelt-Sein, unserer Basis.

Es geht es mir vor allem um das Bewusstwerden und das ganz persönliche Erforschen der verschiedenen Qualitäten und Themen, die wir mit unterschiedlichen Körperbereichen verbinden.

Wir erfahren in den Stunden einerseits, wie sich unsere Körperräume in unterschiedlichen Positionen anfühlen, hineinbewegen und dort entfalten – und können andererseits durch das Setzen eines bestimmten Fokus erleben, wie dieser unseren Körper wie auch unseren Geist zusätzlich beeinflusst.

Klingt jetzt gerade alles etwas abgespaced – ist aber ganz einfach.

Wir beginnen die Stunde (ausnahmsweise) im Liegen (savasana). Zugegeben, das ist für alle, die bereits länger gemeinsam mit mir Üben etwas ungewohnt, bin ich doch eine leidenschaftliche „im Sitzen“ – Startende. Nicht zuletzt auch deshalb, weil ich so fesche Kissen habe. Die werden schon wieder zum Einsatz kommen – spätestens dann, wenn wir weiter wandern zum zweiten Chakra, in dessen Zentrum das Becken steht (Sakralchakra/Svadhisthana)

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Ein Ankommen im Liegen kommt nach einem anstrengenden Arbeitstag meist allen gelegen. Es braucht Zeit zum Wahrnehmen, in sich Hineinspüren und Lauschen; die Muskeln dürfen bewusst weich werden; Bedrückendes, Spannendes (sowohl körperliches wie auch geistiges) darf wahrgenommen und freigegeben werden; Wer wäre dafür besser geeignet als die Erde, der Boden, der die Matte trägt auf der wir liegen –  und unseren Körper zuverlässig hält. Manchmal ist es einfach einmal schön, sich darüber bewusst zu werden: ICH WERDE GETRAGEN – ich brauche mal gar NICHTS TUN. Die Kontrolle abgeben und sich dem Boden anvertrauen, wie es im Besondern auch am Ende der Stunde geübt wird, ist meist gar nicht so leicht – aber auf jeden Fall ein Üben wert…

Wenn ich gerade sehr viel im Kopf bin hilft es mit dem sinnlichen zu Spüren beginnen: Wo liegt mein Körper auf der Matte auf?  Spüren – spüren….nicht mehr und nicht weniger…

Schließlich ist da auch noch unser Atem.

Besonders unser Ausatem (Apana) unterstützt uns, zur Ruhe zu finden, verbrauchte Luft abzugeben – ebenso wie verbrauchtes Gedankengut. Wenn du dir die Erlaubnis gibst, dass sich das eine oder andere lösen darf – ohne große Erwartungen – wirst du überrascht sein, dass Vieles sich plötzlich viel leichter anfühlt…

Und so nehmen wir den Atemfokus (Ausatem) mit in die gesamte Praxis, die sich vom Boden über Asanas auf allen Vieren zum Stehen und zurück zum Liegen spannt.

Die Erde, der Boden spielt die gesamte Praxis über eine wichtige Rolle. Sie (die Erde) ist Dreh- und Angelpunkt unserer Aufrichtung im Stehen; verleiht unseren Händen/Armen/Knien hilfreichen Widerstand um in den gesamten Körper spürend zu finden. So können wir uns mit Leichtigkeit und Elan z.B. in den Hund hinein bewegen.

Klar drängt uns die Erdanziehung zu Boden – aber ein ganz feiner Wechsel der Perspektive hilft, aus dieser Anziehung die Gegenkraft herauszuholen: wir schieben unsere Hände hinein in den Boden und erhalten Anker, Erdung und Kraft diesen Schub in die Arme, den Rücken und unser Becken weiterwandern zu lassen…  ausprobieren!

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ZUM STEHEN:

Es gibt im ZEN-Buddhismus den berühmten Anfänger_innengeist. Wenn du beginnst, etwas, das dir sehr vertraut ist, wie z.B. Zähneputzen, mit der Haltung zu tun, als wäre es dein erstes Mal. Zähneputzen erhält dadurch eine ganz andere Qualität. Wahrscheinlich bist du wacher, aufmerksamer, vorsichtiger bei dem, was du tust. Mittlerweile zählt diese Übung zu einer beliebten Achtsamkeitsmethode. Genauso kannst du wieder mal ins Stehen kommen. Als würdest du deinen Körper zum ersten Mal aufrichten, den Boden unter dir spüren, deine Fußsohlen mit all ihren unterschiedlichen Teilen (Groß-Keinzehenballen; Fußgewölbe; Ferse)…. und die Aufrichtung weiterwandern lassen….bis zum Scheitel und vielleicht darüber hinaus…

Stell dir vor du WURZELST nach unten, um dann nach oben zu WACHSEN….ich mag dieses Bild…

Stehen ist wahrlich eines der schwierigsten Asanas  – ähnlich wie sitzen. Manchmal finden wir Tadasana (Berghaltung) fad – – aber das täuscht, wenn du diesem mit Neugierde, Interesse und Offenheit begegnest. Vor allem spürst du auch sehr bald, wo es in deinem Körper gerade wenig zu spüren gibt, wo es zwickt und wie sich dein Körper auch energetisch tut. An manchen Tagen kannst du vielleicht spüren, wie du ganz von alleine aufgerichtet wirst – der Boden dich trägt, der Atem dich stützt…

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Ohja und dann gibt es natürlich noch wunderbare Stehhaltungen, die uns vielerlei Möglichkeiten bieten, unsere Körper in alle Richtungen zu bewegen: allen voran die mannigfaltigen Krieger_innenhaltungen…

Ach, es gäbe noch ganz vieles zu erzählen über das Erden in den Asanas – aber dazu vielleicht ein ander Mal.

Zu guter letzt ein paar INSPIRATIONEN FÜR DEN ALLTAG

  • Was bedeutet es für dich, dich zu erde-n? Was empfindest du bei diesem Wort? Welche Bilder tauchen dabei auf?
  • Was gibt dir Halt, Anker und Stabilität?
  • Was sind deine Wurzeln?
  • Ich muss oft an meine Meditationslehrerin Ursula Lyon denken. Sie liebt es in ihren Retreats auf die Kraft der Füsse hinzuweisen. Einerseits spielen die immer eine Rolle in ihrer 8-Punktemeditation, wenns darum geht, die Aufmerksam auf unterschiedliche Körperpunkte zu richten. Andererseits gibt sie gern und oft den Ratschlag, sich auf die Füsse zu konzentrieren, wenn der Geist schwer zu beruhigen ist; wenn man z.B. sehr aufgeregt ist, oder ängstlich und gerade nicht weiß, wie man etwas Leichtigkeit in diese unangenehme Situation bringen kann: dann sind die Füsse dran: Nimm eine starke Haltung ein; hüftbreiter Stand und guter Kontakt mit den Füssen auf dem Boden; spüre die Kontaktfläche deiner Füsse und sprich im Gedanken: „Füsse – Füss“. oder: „Ich steh fest am Boden“…. hilfreich in diesem Zusammenhang ist auch ein bewusstes AUSATMEN…
  • Ich empfinde es für mich sehr erdend, wenn ich nach einem dichten Arbeitstag mit vielen Gesprächen und Kontakten einen Fußmarsch mache… gehen tut gut….vom Kopf in die Füße kommen. Was ich auch entspannend finde ist, wenn ich meine Sinne im Gehen wertschätze, d.h. ich rieche, ich höre, ich schmecke, ich fühle (z.B. auf meiner Haut den Wind, die Sonne, die Kleidung….)
  • Im Bett zum Entspannen und Hingeben: Hinlegen – Wahrnehmen – Abgeben/Freigeben/Abfließen lassen – oder einfach nur die Auflagefläche des Rückens spüren
  • Erprobe dich im Anfänger_innengeist. Wie wärs, wenn du das nächste Mal zum „ersten Mal“ duschst? Mit den Augen des ersten Mals bestimmte Wege gehst? Zum ersten Mal eine Tasse Tee trinkst? Wenn du deinem_r Partner_in zum ersten Mal begegnest…? Und das ganze getragen von Freundlichkeit, Neugierde und Offenheit?

Das wären ein paar Anregungen für dich zum Ausprobieren.

Ich hoffe, du fühlst dich danach geerdet-er.

 

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Alles LIEBE

SHANTI

Sabine

1 Kommentar

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